Die 1998 gegründete Schola Gregoriana Monostorinensis (Klausenburg – Cluj, Rumänien) hat sich zur Aufgabe gestellt, den gregorianischen Choral, der bis heute die einzige musikalische Muttersprache der christlich-katholischen Kirche ist, wieder als eine funktionelle liturgische Musik erfahrbar zu machen. Diese gesungenen Texte sind in erster Linie nicht als Tonkunst zu werten, sondern vielmehr als dem Gottesdienst angehörende Handlung: eine durch Menschenstimme lebendig gemachte liturgische Tätigkeit. In unserer Schola singen neben Berufsmusikern auch Angehörige anderer Fachrichtungen.
  
Die Schola Gregoriana Monostorinensis interpretiert das neuerdings gereinigte Repertoire der europäischen Tradition aufgrund von anspruchvollster Auslegunsgpraxis des gregorianischen Chorals: der sogenannten Semiologie. Ebenso verwendet sie die semiologischen Erfahrungen bei der Wiedergabe des ungarischen Gregorianums, das durch die wissenschaftliche Tätigkeit berühmter Budapester Forscher (z.B. Benjamin Rajeczky, László Dobszay, Janka Szendrei) ein wahrer Schatz der europäischen Kultur geworden ist.
  
 Die gregorianische Semiologie ist die systematische Auslegung eigenartiger Zeichen, sogenannter Neumen der frühesten Notationen (neuma = Wink): sie bietet also die zugänglichste Methode für die Bestimmung der Kohärenz zwischen Wort und Melodieführung. Auf der Spur von Eugène Cardin, Benediktiner aus Solesmes, arbeiten heutzutage zahlreiche Gregorianisten mit den Methoden der Semiologie, z. B. Alessandro Turco, Rupert Fischer, Berchmans Göschl, Luigi Agustoni, Kornelius Pouderoijen, Godehard Joppich. Die semiologische Interpretationslehre wurde im ungarischen Sprachgebiet von Georg Béres eingebürgert.
EUROPA NOSTRA AWARD 1998  
Die Klausenburger Kalvaria-Kirche im Stadtviertel „Monostor" (die „Taufpatin" der Schola Gregoriana Monostorinensis) wurde an der Stelle der ehemals berühmten Benediktinerabtei gebaut. Sie gilt also als ein Erinnerungsort für mittelalterliche Kultur von verbindlicher Kraft. Die Kirche, die in der 90-er Jahren restauriert wurde, erhielt 1998 den Preis „Europa Nostra".

Viele halten nur den tiefen Klang der Männerchöre, die „Klosterstimmung" zum Gregorianum passend, authentisch. Heute wissen wir schon, dass für den typischen mittelalterlichen Vortrag der gregorianischen Gesänge gerade die Wechselfolge oder der Zusammenklang von hohen und tiefen Stimmen charakteristisch war. Die Männerstimmen wurden gewöhnlich mit Kinderstimmen kombiniert, vielleicht sangen die Kinder öfter allein ohne Männerstimmen, wie jene ohne Kinderstimmen.
Die zahlreichen Frauengemeinschaften des Mittelalters sangen wohl auch keine andere Musik; wenn wir das bedenken, müssen wir die Darbietung der gregorianischen Musik durch Frauenchöre ebenfalls für authentisch halten. Wir haben sogar Angaben über die mittelalterliche Praxis, wonach der gregorianische Gesang mit Kombination von Männer- und Frauenstimmen ertönte. Bei den Konzertverhältnissen des 20. Jhs. kann aber der typische Klang des gemischten Chors – besonders, wenn es sich um den Vortrag einiger grösseren Sätze handelt – kaum entbehrt werden. Die mittelalterliche Liturgie, die sich der variablen Gesangrollen bediente, kann nämlich unter den heutigen Umständen kaum anders vergegenwärtigt werden, als dass wir innerhalb der 15-20 Minuten dauernden Zyklen kleinere und grössere Ensembles, tiefe und hohe oder kombinierte Klänge, Soli und Gesamtchöre miteinander abwechseln – nicht in buntem Durcheinander, sondern in sinnvoll bedachter Ordnung und den gesungenen Gattungen entsprechend.

(J. Szendrei – L. Dobszay – B. Rajeczky: Magyar Gregoriánum, Vorwort)

 
 
 
Schola Gregoriana Monostorinensis
Repertorium
 
Thesaurus cantus gregoriani, Europa
 
GRADUALE TRIPLEX (GT, Solesmes 1979)
OFFERTORIALE TRIPLEX (OT, Solesmes 1985)
ANTIPHONALE MONASTICUM (AM, Solesmes 1934)
PROCESSIONALE MONASTICUM (PM, Solesmes 1893/1983)
LIBER HYMNARIUS (LH, Solesmes 1983)
PSALTERIUM MONASTICUM (PsM, Solesmes 1981)
János Mezei, KORAI POLIFÓNIA (Budapest 1997)
LIBER USUALIS (LU, Tournai 1964)

 

 
Cantica gregoriana hungarica
 
László Dobszay, AZ ANTIFONA (Budapest 1995)
LATIN-MAGYAR NAPPALI ZSOLTÁROSKÖNYV – DIURNALE (Budapest-Gödöllõ 1999)
Benjamin, Rajeczky, MELODIARIUM HUNGARIAE MEDII AEVI. I.Hymni et Sequentiae (Budapest 1956)
Janka Szendrei – László Dobszay – Benjamin Rajeczky, MAGYAR GREGORIÁNUM (Budapest 1981)*
Janka Szendrei, A RESPONSORIUM (Budapest 1995)
Janka Szendrei, AZ ALLELUJA (Budapest 1995)

 

  • Antiphonar der Kirche von Várad, Ende des 15. Jhs.
  • Mehrstimmiges Fragment aus Kaschau, Ende des 15. Jhs.
  • Mehrstimmiges Fragment aus dem Zeitalter von König Sigismund, Anfang des 15. Jhs.
  • Bakócz Graduale, 15/16. Jh.
  • Graduale des F. Futaki, Mitte des 15. Jhs.
  • Graduale aus Pata, Mitte des 16. Jhs.
  • Antiphonar aus Ofen, Ende des 15. Jhs.
  • Antiphonar aus Pressburg, 15. Jh.
  • Missale Notatum aus Gran, Anfang des 14. Jhs.
  • Pauliner Antiphonar, Ende des 15. Jhs.
  • Antiphonar des Osvát Thuz, Ende des 15. Jhs.
  • Missale Notatum aus Zagreb, Anfang des 13. Jhs.
  • Passionale aus Gran, Ende des 15. Jhs.
  • Processional der Pauliner von Újhely, 17. Jh.
  • Psalterium aus Ofen, Ende des 15. Jhs.
  • Der abgetrennte Sequenz-Anhang zur Quelle MNot.
  • Gregorianische Ferienlager für Kinder

    Das perspektivische Ziel der Schola Gesellschaft und der Schola Gregoriana Monostorinensis ist das Interesse der Kinder am authentischen liturgischen Gesanges zu erwecken und ihre Sachkenntnis daran zu stärken. Diesen Ziel fördern die Ferienlager für Kinder.

     Außer dem Gesangunterricht, vermitteln wir auch religiöse Kenntnisse, eine Eiführung in die Kirchen- und Liturgiegeschichte, Grammatik und Textdeutung. Wir beschäftigen uns täglich umgefähr vier Stunden mit der Einführung in den liturgischen Gesang. Dabei bleibt natürlich auch viel Zeit für gemeinsame Spiele und Ausflüge. Während des Ferienlagers finden auch liturgische Dienste statt, da uns das Gregorianlernen darauf vorbereitet und geeignet macht.

    In den Ferienlagern unterrichten Mitglieder der Schola Gregoriana Monostorinensis.

    Seit dem Jahr 2001 wächst die Anzahl der Interessenten ständig. Anfangs beschäftigten wir uns nur mit Kindern aus Klausenburg, aber danach kamen immer mehrere Kinder auch aus anderen Städten. (Hermannstadt, Deva, Budapest, Neumarkt usw.)

    Ferienlager:

    2001 – Călăraşi Turda / Harasztos
    2002 – Leghia / Jegenye
    2003 – Vlaha / Magyarfenes
    2004 Juni-Juli – Tureni / Tordatúr
    2004 Juli-August Izvoru Mureş / Marosfő
    2005 – Tureni / Tordatúr
    2006 – Izvoru Mureş / Marosfő

    “Unabhängig davon, ob es sich um Grundschul-, Gymnasium-, oder Lyzeumschüler handelt, sind Kinder für den gregorianischen Gesang sehr empfänglich. Das kann hauptächlich die Tatsache erklären, dass das Musikideal der modernen Zeit ihre Fertigkeit für das textabhängige, atonale Musizieren mit subjektivem Rhytmus, nicht gänzlich zerstört hat. [...] Eigentlich unterrichten wir gregorianischen Choral in diesen Ferienlagern nicht hauptsächlich aus religiösem Motiv. Vielmehr möchten wir den Kindern das ergänzen, was die Schule entlang seines Lehrplans völlig vernachlässigt. Alldie, die die Geheimnisse des gregorianischen Chorals kennen, wissen vielmehr vom Alphabet der Musik, als die, die bloß mit der Volksmusik, oder der heutzutage so populären Renessaincemusik beginnen.“

    Tamás Jakabffy, „Vasárnap“ [„Sonntag“], 12. Juli 2002)

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